Mittwoch, 22. Februar 2012

Image


Ich drehe jetzt Filme. Wieder so eine Sache, die niemand weiß. Wie zum Beispiel, dass ich vor 22 Jahren gegen den Techno angetrunken habe. Als einziger. Im nächsten Leben komme ich als ziemlich hübsche Frau zur Welt und verhülle meine sekundären Dinger nur widerwillig und spärlichst. Mit höchstens einem Klebestreifen über die Brustwarzen - und dann wird getanzt und geschwitzt und gefickt. Dieses an der Bar rumlungern und so halbintelligent gucken, ist unterm Strich für’n Arsch. Naja. Schwitzen und Ficken geht auch ohne Tanz. Aber irgendwie ist das am Leben vorbeigeschummelt, fürchte ich. So. Wo war ich?

Ah. Ich drehe jetzt Filme. Irgendwelche bekloppten Image- und Interview-Videos. Ich trage dann die am wenigsten verkrumpelten Anzüge, versuche, wie Don Draper auszusehen und zu lächeln. Klappt so mittel. Jedenfalls arbeite ich ja in so einer perversen Klitsche, die für nichts Geld hat. Also sitze ich am Ende selber da und muss die bekloppten Filme zusammenschneiden und suche Musikschnipsel, um meinen kranken Blick aufzulockern. Schwierig. Was nimmt man denn da? Ich glaube, eins von den Unterwäschemodellen hat mal mit Paul Van Dyk rumgemacht. Ekelhaft. Aber ich brauche jetzt irgendwas, das von meinem Blick, der noch ekliger ist, ablenkt. Wie bekommt man nur so einen Blick?

Zwischendurch turnen die Handwerker durchs Haus. DK bekommt ein neues Zimmer. Alles in weiß und silber. Inklusive Samsung 3D Dings, iMac, Hängesitz, Couch und so weiter. Alles, was in meinem Leben irgendwie von Bedeutung ist, hat mir ihr zu tun. Also kann sie auch alles haben. Vor allem solange sie um überhaupt nichts bittet. Ich weiß nicht, aber Kinder, die bescheiden und charmant sind, haben eine Anmut, dass einem schwant, was man selber für ein Schwein ist. Zum Ausgleich gibt es dann eben ein Zimmer/Haus voll Gedöns.

Ich schaue gerade diesem DJ in Berlin Calling dabei zu, wie er nackt Cornflakes knabbert und sich dann von Corinna Harfouch therapieren lässt. Würde ich auch machen. Beides. Wenn ich nur nicht so gehemmt und DJ geworden wäre.

Die ExF macht mich kaputt. Will dauernd wegziehen und DK mitnehmen. Das drückt schwer auf meine kaputte Seele, die sich postwendend wehrt und böse Gewaltphantasien entwickelt. Alles falsch. Man muss lockerer werden. Mehr feiern, lieben und Kinder machen. Mindestens so viele Kinder, dass zumindest eins im Haus ist. Mehr ExF muss aber auch nicht sein.

Zwischendurch mit drei Blondies in rekordverdächtig kurzem Abstand Liebe gemacht. Eine war wieder 22. Warum das den Blick nicht auflockert, weiß ich auch nicht.

Habe dieses Jahr eine ordentliche berufliche Reiseagenda: Warschau, Kopenhagen, Amsterdam, Berlin, Paris und Sestri Levante. Keine Ahnung, was ich da überall soll.

“Und Sie, Herr Karo, wollen Sie sich nicht mal auf den Ball setzen?”
”Auf keinsten.”

Mittwoch, 1. Februar 2012

Die Meute


Soundtrack. Beruflich stehe ich hier und da vor 20, 30 Leuten, denen ich erzähle, wie sie ihre Arbeit besser machen sollen. Heute habe ich die Meute anfangs gefragt, wie viele mich für einen bekloppten und arroganten Wichser halten. Alle Hände gingen hoch. So ist das. Der erste Eindruck ist immer scheiße, wenn man ein bekloppter und arroganter Wichser ist. “Da habt ihr ganz schön recht”, habe ich gesagt und milde gelächelt. Und dann erzähle ich dem Mob 30 – 40 Anekdoten und sage Sachen, die gleichermaßen obszön und wahr sind. Zwischendurch trete in alle Wunden, nur um am Ende alle wieder einzufangen. Die Frauen gucken meistens ein bisschen angewidert, wenn man so den Affen macht und irgendwie doch noch die Kurve kriegt. So ein beschissener Angeber, denken die, und buhlen um Aufmerksamkeit und überlegen, wie man wohl im Bett ist. Und die Männer sagen sich leise: “boah, scheiße ist der gut - fast so gut wie ich.”  Selbstverständlich gebe ich dem Pöbel keine Gelegenheit, ihre Einschätzung zu revidieren. Und wenn jemand die Hände schütteln, einen Kaffee trinken oder ficken will, winke ich ab und lache: “nee, lass mal, das mit dem Wichser stimmt schon.”

Und dann gehe ich nach Hause, esse einen Eimer Feldsalat, gucke den Bätscheler und frage mich, ob ich sie noch alle habe… und wo das neue Mädchen bleibt, mich an die Hand nimmt und nach Hause bringt.