Ich drehe jetzt Filme. Wieder so eine Sache, die niemand weiß. Wie zum Beispiel, dass ich vor 22 Jahren gegen den Techno angetrunken habe. Als einziger. Im nächsten Leben komme ich als ziemlich hübsche Frau zur Welt und verhülle meine sekundären Dinger nur widerwillig und spärlichst. Mit höchstens einem Klebestreifen über die Brustwarzen - und dann wird getanzt und geschwitzt und gefickt. Dieses an der Bar rumlungern und so halbintelligent gucken, ist unterm Strich für’n Arsch. Naja. Schwitzen und Ficken geht auch ohne Tanz. Aber irgendwie ist das am Leben vorbeigeschummelt, fürchte ich. So. Wo war ich?
Ah. Ich drehe jetzt Filme. Irgendwelche bekloppten Image- und Interview-Videos. Ich trage dann die am wenigsten verkrumpelten Anzüge, versuche, wie Don Draper auszusehen und zu lächeln. Klappt so mittel. Jedenfalls arbeite ich ja in so einer perversen Klitsche, die für nichts Geld hat. Also sitze ich am Ende selber da und muss die bekloppten Filme zusammenschneiden und suche Musikschnipsel, um meinen kranken Blick aufzulockern. Schwierig. Was nimmt man denn da? Ich glaube, eins von den Unterwäschemodellen hat mal mit Paul Van Dyk rumgemacht. Ekelhaft. Aber ich brauche jetzt irgendwas, das von meinem Blick, der noch ekliger ist, ablenkt. Wie bekommt man nur so einen Blick?
Zwischendurch turnen die Handwerker durchs Haus. DK bekommt ein neues Zimmer. Alles in weiß und silber. Inklusive Samsung 3D Dings, iMac, Hängesitz, Couch und so weiter. Alles, was in meinem Leben irgendwie von Bedeutung ist, hat mir ihr zu tun. Also kann sie auch alles haben. Vor allem solange sie um überhaupt nichts bittet. Ich weiß nicht, aber Kinder, die bescheiden und charmant sind, haben eine Anmut, dass einem schwant, was man selber für ein Schwein ist. Zum Ausgleich gibt es dann eben ein Zimmer/Haus voll Gedöns.
Ich schaue gerade diesem DJ in Berlin Calling dabei zu, wie er nackt Cornflakes knabbert und sich dann von Corinna Harfouch therapieren lässt. Würde ich auch machen. Beides. Wenn ich nur nicht so gehemmt und DJ geworden wäre.
Die ExF macht mich kaputt. Will dauernd wegziehen und DK mitnehmen. Das drückt schwer auf meine kaputte Seele, die sich postwendend wehrt und böse Gewaltphantasien entwickelt. Alles falsch. Man muss lockerer werden. Mehr feiern, lieben und Kinder machen. Mindestens so viele Kinder, dass zumindest eins im Haus ist. Mehr ExF muss aber auch nicht sein.
Zwischendurch mit drei Blondies in rekordverdächtig kurzem Abstand Liebe gemacht. Eine war wieder 22. Warum das den Blick nicht auflockert, weiß ich auch nicht.
Habe dieses Jahr eine ordentliche berufliche Reiseagenda: Warschau, Kopenhagen, Amsterdam, Berlin, Paris und Sestri Levante. Keine Ahnung, was ich da überall soll.
“Und Sie, Herr Karo, wollen Sie sich nicht mal auf den Ball setzen?”
”Auf keinsten.”