Hallo, Superman.
DK bat unlängst darum, dass ich mich in ihrem Freunde-Buch verewige. Ich wollte erst nicht, wir wären ja auch gar keine Freunde. Danach hat sie mich durchs ganze Haus verfolgt, mich gekniffen und behauptet, irgendwie wären wir doch auch Freunde. Na gut. Also fülle ich das Ding aus. Klasse: 33a. Hobbies: schlafen. Was mich zu mir macht: Intelligenz, gutes Aussehen und große Bescheidenheit. Bei der Frage, was ich mal werden will, schreibe ich: alt.
Was DK nicht weiß: ihre Oma mütterlicherseits wird Weihnachten vermutlich nicht mehr erleben. Sie kommt morgen zu ihrem 68. Geburtstag aus dem Krankenhaus zum Sterben nach Hause. Scheiß Krebs.
Die Vorstellung sich so kurz vor Weihnachten von DK für immer verabschieden zu müssen, ist nicht so schön, fiel mir gestern Abend auf, als ich im Bett liege und darüber nachdenke. Vielleicht haben Schmerzen, wenn es zu Ende geht, doch eine Funktion: sie helfen einem loszulassen und zu gehen. Aber tröstlich ist das ja auch nicht, dass alles irgendeine Funktion oder einen Sinn hat, wenn man dabei verreckt.
Dann liege ich so da, ich altes Schwein und würde gerne alt werden, um DK aufwachsen zu sehen.
Nachmittags war ich auf ihrer ersten Schulaufführung in der Aula. Sie hatte – wie soll das anders sein – die Hauptrolle. Kurz vor ihrem Auftritt sitzen wir zusammen.
Rome: “Aufgeregt?”
DK: “Bisschen schon. Wir haben auch solche Mikrofone und nicht so viel geübt.”
Rome: “Ich gebe dir 20 Euro, wenn du deinen Text falsch aufsagst oder vergisst.”
DK: “Wirklich?”
Rome: “Und 50 Euro gebe ich dir, wenn du laut sagst: merde á dieu.”
DK: “Was heißt das noch mal? Du hast mir das erzählt, dass das dieser Junge, Rambo oder so, auf die Kirchenmauer geschrieben hat.”
Rome: “Ich weiß gar nicht mehr, was das heißt. Machst du das für 50 Euro?”
DK: “Nee, danke.”
Ich habe es schon mal gesagt: eigentlich ist meine Zeit um. Ich habe DK alles beigebracht, was ich weiß. Aber ich will trotzdem alt werden und sehen und hören, wie mir DK später für ihre verkorkste Kindheit Vorwürfe macht. Und ich danach zu Kreuze krieche, und sie mir vergibt. Also liege ich da und überlege. Und überlege. Und überlege. Worum ging es noch mal? Ach so. Wann und wie tritt man am besten ab?
1. Frage: jung oder alt? Gibt es nicht so einen Club 27? Ich hatte mal ganz gute Aussichten, da mitzumachen. Ist aber Quatsch. Sieht man ja an mir. Auch wenn man selber nicht gerade der brennende Busch ist. Also alt. Auf jeden Fall!
2. Frage: wie alt? Schwierig. Vielleicht so ein wenig über dem Durchschnitt. Aber auch nicht so lange, dass alle genervt sind. Und eigentlich auch nur so lange, dass man noch alleine aufs Scheißhaus kommt.
3. Frage: in welcher familiären Situation? Poah. Ich finde, man sollte die Chance gehabt haben, bei seinen Enkelkindern einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Mit oder ohne Frau? Mit wäre gut. Könnte dann auch ein älteres, verknittertes und ein bisschen giftiges Modell sein. Vielleicht sollte man zum Schluss mit so einer richtigen Planschkuh zusammen sein? Dann könnte man leichter gehen.
4. Frage: mit welcher Krankheit/Todesart? Weiß nicht. Krebs schon mal nicht. Vielleicht ich in einem Edelpuff, wo man die Planschkuh (zu Recht!) hintergeht. Tödlicher Schlaganfall kurz nach einem Dreier? Ideal wäre das, wenn man bis dahin ein bisschen bekannt ist, die BILD Zeitung davon mitbekommt, die Leute noch ein bisschen lachen können und es auf der Beerdigung auch ein paar gute Sachen zu erzählen gibt.
So, Superman. Ich hoffe, du liest und schreibst mit!
Liebe Grüße,
Dein Rome