Sonntag, 20. März 2011

Rumkugeln

Das darf man auch keinem sagen. Ich bin ja jetzt zu 50 Prozent so etwas wie ein Coach und Mentor. Ich darf sogar Incentives an unsere “High Potentials” verteilen (Geld und Sonderurlaub). Blöd, dass ich in Wahrheit die meisten blöd finde. Und zur Strafe sitze ich dann letzte Woche vor einer Endvierzigerin im Klimakterium, die nichts versteht – außer dass ich sie blöd finde und dass das Leben irgendwie gemein zu ihr war. Irgendwer ist falsch abgebogen, hat die zu mir geschickt und dachte, ich kann die wieder gerade biegen. Heimlich nenne ich diese Viecher hormonal challenged und übe mich in Gleichmut. Und ich ja kann ja vieles, aber ich kann nicht über Wasser gehen und irgendwas mit dieser Frau anfangen. Nölende Weiber, die jeden Zug verpasst haben und sich mit letzter Kraft durch den Tag schleifen, kann ich nicht reparieren. Jeder und jede bekommt von mir in den ersten zwei Minuten eines Gesprächs meine volle Aufmerksamkeit, all meine Energie, meinen nicht unbeträchtlichen Charme und Humor und die Aussicht auf Incentives, aber wenn da dann nix zurückkommt, können die mich mal am Arsch lecken. Es gibt Menschen, die sind nichts weiter als schwarze Löcher, die Energie fressen. Da darf man sich nicht so lange mit aufhalten. Mir rennt die Zeit ja auch weg.

Als ich die Alte weggeschickt habe, greife ich zum Hörer und rufe meinen Lieblingsbarmann an. Als er rangeht, rufe ich unseren Schlachtruf ins Telefon: “ALKOHOL! VIEL! HEUTE!” Zwei Stunden später sitzen wir in der Sandbar, die, was das Publikum betrifft, immer schlechter wird. Liegt vielleicht auch an der Happy-Hour. Da sind die Weiber alle zu Hause. Doof, dass wir beide unheilbar heterosexuell sind. Ich sage: “ich habe ja für vieles Verständnis. Aber Bars ohne Frauen, brauche ich auch nicht.” Also schlagen wir ein paar Haken durch die Stadt und landen im Beyond. Auch nicht die Antwort auf alles, bisschen viele Bänker und Angeber, aber das Ding ist voll und da sitzen und rennen auch Frauen rum. Meistens wollen wir gar nichts von denen. Wir sind zwar unheilbar, aber die Libido gibt langsam nach. Gottseidank. Fünf Meter schräg gegenüber sitzen zwei sehr blonde Mädchen, die das Zentrum der Bar bilden und geschätzte dreißig Jahre vom Klimakterium entfernt sind, vor einer Flasche Moet und sehen dabei sehr gut aus. Der Lieblingsbarmann und ich haben es nicht eilig, wir haben was zu trinken und viele Rückschläge zu verarbeiten. Ich bin zwar ein Zahlenmensch, aber so langsam verliere ich den Überblick über die Körbe, die mir DNM und DNNM verpasst haben. “Verstehst du das?” frage ich den Barmann. “Nein. Ich wollte sofort ein Kind von dir”, sagt er. Dann höre ich mir seine Geschichten an, und wir tun das einzige, was man mit Niederlagen machen kann: wir lachen. Und zwischendurch gucken wir natürlich nach den beiden Mädchen. Zwei Stunden sind rum. Der Blickkontakt war nicht ermutigend. Beide waren mal auf der Toilette, sind an uns vorbeigelaufen und haben gut gerochen. Sehr gut. Auch gut: sie haben im zwanzig Minuten-Takt Typen abgewiesen. Keiner stand länger als drei Minuten bei ihnen. “Ein Mädchen wollte ich auch nicht sein”, sage ich. “Ständig schleifst du so einen Köter am Hosenbein mit rum. Das ist ja auch nix. Und die ganze Organisation und Logistik mit Handy und Fuckbook ist auch anstrengend. Eigentlich sind die ganz schön hübsch, oder?” Der Barmann nickt. Ich lasse ihn sitzen und gehe mal rüber. Beide sind sehr hübsch, aber eine ist natürlich immer noch hübscher. Die darf man nicht ansprechen. Das ist der Trick. Ich schleiche mich an, tippe der anderen auf die Schulter und merke, dass ich gar keinen Text habe. Erst mal ein paar Interjektionen. “Hörma. Was wollte ich noch gleich? Achja. Falls ihr Lust habt, würden wir gerne was mit euch trinken.” Ich bin sehr entspannt. Ich habe überhaupt keine Erwartungen. Naja. Gut wäre, wenn sie mich nicht als Kinderschänder diffamieren und mich nicht anspucken. Scheiße, sind die jung. Die Angesprochene lächelt und entscheidet für ihre Freundin mit: “Lass uns gerade noch bezahlen, dann kommen wir zu euch rüber.” “Abgemacht”, sage ich, drehe mich um und gehe wieder. Der Lieblingsbarmann lacht, als ich wieder bei ihm bin. “Du warst aber nicht lange im Sattel. Das waren keine 20 Sekunden!” “Nee, alles gut, die kommen gleich.” “Klar, auf jeden Fall. Die Weiber laufen dir ja nur so nach.” “Scheiße, sind die jung, aber riechen tun die gut. Vanille. Und die, die ich angesprochen habe, ist mindestens einen halben Kopf größer als ich. Die ist für dich.” Der Barmann lacht mich aus. Keiner erkennt mein Potential. Nicht mal mein Lieblingsbarmann, der Kinder von mir will. Der Barmann: “Sieht schlecht aus. Die haben bezahlt und ziehen ihre Mäntel an. Scheiße, sehen die gut aus. Hauptsache, du hast es versucht.” Keine Sau glaubt an mich. Ich brauche andere Freunde. Tja. Und dann stehen die beiden vor uns. Dem Barmann hängt die Unterlippe runter, und ich lache laut.

Die Mädchen wohnen im Hilton, sind nur für ein Foto-Shooting in der Stadt, sagen sie sind 22. Später tauschen wir Ausweise aus. Die Mädchen haben gelogen. Sie sind 21. Der Barmann verknallt sich ein bisschen. Wir ziehen quer durch die Stadt. Morgens, als wir uns gegen acht Uhr verabschieden, fragen sie uns, ob sie vielleicht unsere Nummern haben können. Als ich zögere, hauen sie mir in den Bauch. Und ich überlege kurz, mich auf den Boden zu werfen und mich vor Lachen rumzukugeln. Aber ich sage dann doch nur heimlich: “Danke, Superman. Ich hab dich auch ganz schön lieb.”

5 Kommentare:

schaetzchen hat gesagt…

Wünsche gehen noch in Erfüllung! Auch, als ich mir zu dem Unterwäschemodeltweet noch eine Story dazuwünschte. yesss
Klingt ja schon fast karmisch, für das Erziehungsonkel-Spielen und so. Bleibt noch zu fragen, was unternehmen zwei Typen mit zweimal Hauptgewinn bis acht Uhr morgens in der Stadt? Und konntest du in Erfahrung bringen, was das für ein Vanillezeug war?

Anonym hat gesagt…

na was wohl schön deluxe im hilton bis zur vulneration schleimhaut perforiern

Anonym hat gesagt…

Yes! Erfüllung! Glück! Sinn des Lebens! ^^

Er hat gesagt…

Sir, vergessen Sie die Pointe nicht. Geschichten wirken hierdurch wesentlich unterhaltsamer. Sollten Sie tatsächlich über keine verfügen, helfen fürs erste Absätze im Text. Es entsteht so Eindruck, als beginne etwas Neues.

Für ein Fucking and Punching-Blog fehlt hier der Abstand zum Dutzendschicksal. Ich tippe auf eine Herkunft aus Wuppertal oder Umgebung.

Höma, die Blogroll vom Spreeblick war auch schomma bessa!

Anonym hat gesagt…

Yah! What He said! Fucking and punching! Fucking and punchingggg

Dies ist ein neuer Absatz.