30.03.2008

Achillesferse - Update 1

Ich war am Freitag schwimmen und wurde von allen überholt. Sogar von einer 90jährigen Ur-Oma mit Beinprothese, die tot im Wasser trieb. Ich wurde ausgelacht.

Für's Protokoll: 20 x 25 m = 500 m in ca. 40 Minuten.

29.03.2008

Three of the best singers in the world

28.03.2008

Achillesferse

Direkt neben meiner chronischen Lamentiererei, Arbeitsunlust, Inkompetenz und Bösartigkeit ist meine Achillesferse das Schwimmen. Ich habe eine beschissene Wasserlage, keine Ausdauer und ein mieses Tempo. Ich habe beschlossen, montags und mittwochs nach der Arbeit im Selbstversuch herauszufinden, inwieweit genetische Dispositionen abtrainierbar sind. Die neue Schwimmbrille und Badelatschen liegen bereit. Ich sag' dann Bescheid.

Personal Mephisto

Ich war letzte Woche 'was mit ihm trinken. Wir waren sehr besoffen. Ich habe herausgefunden, dass er meine Jugendlieben Nummer drei und Nummer vier ruiniert hat. Wir waren fünfzehn und Nummer drei hiess Kerstin. Kurz bevor sie mich fragte, ob ich mit ihr auf ein Konzert gehen würde, hatte er mir erzählt, dass sie mit einem Bekannten, Gerry, geknutscht hätte. Dafür (und wegen ihrer merkwürdigen Frisur) liess ich sie leider abblitzen. Ohne diese Geschichte wäre ich wahrscheinlich heute von ihr geschieden, und sie wäre demnach erstmal keine Lesbe geworden.

Nummer vier - wir waren siebzehn. Sie hiess Suse. Sie sagte mir, dass sie noch Jungfrau sei. Außerdem lud sie mich zu ihren Ballettauftritten ein. Irgendwann bekam ich mit, dass sie besoffen mit Frau Müller geknutscht hatte. Frau Müller kannte Suse schon aus dem Kindergarten und behauptete, sie wären sich aus dieser Zeit noch versprochen, er hätte also zweifelsfrei die älteren Rechte. Kurz darauf zupfte Suse an meinem Ärmel und bat um Vergebung. Vergebung war nicht meine Stärke. Ich liess sie relativ bösartig abblitzen.

"Wenn du mal kein mieser, beschissener Mephisto warst!" sagte ich, ehe ich mich besoffen über den Tisch lehnte und ihm einen Kuss (auf die Stirn) gab.

27.03.2008

Achnaja

Ich hatte zehn Tage Urlaub und habe nicht einmal gehustet. Morgens unter der Dusche, an meinem ersten Arbeitstag nach dem Urlaub, ging das mit dem Husten wieder los. Genau seit diesem Moment hat er einen Namen: Zwingerhusten. "Swingerhusten?" fragte meine Kollegin. "Nein, nein." sagte ich. "Noch viel hündischer!"

"Wenn man erstmal in die Arbeitswelt abgetaucht ist, sind doch alle Jahre gleich. Die einzigen Ereignisse, die man noch erlebt, sind medizinischer Art."

17.03.2008

These are days

Ich habe mich ein bisschen verliebt. In mein neues Vileda Ultramat Electro System. In Sebastian Vettel nach der zweiten Qualifyingsession am Samstag. In meine neue Grafikkarte. In Bear Stearns, weil ich im Juni günstig an einen ganzen Sack Mitarbeiteraktien komme. In Nscho-Tschi. Sogar in China-Boykott-Aufrufe. Ein klitzkleines bisschen auch in George W., weil der so schön schmerzfrei ist. Weitermachen, würde ich sagen. Ich nehm' mir die Woche frei.

14.03.2008

G. B.

Sie werden allein sein, eine Nußschale auf dem Meer, aus der es klirrt mit fragwürdigen Lauten, klappert vor Kälte, zittert vor ihren eigenen Schauern vor sich selber, aber geben Sie nicht SOS - erstens hört Sie keiner und zweitens wird Ihr Ende sanft sein nach so viel Fahrten.

03.03.2008

Nach Diktat verreist

Heute gezählt: ich habe 24 Paar Hosen. Vor der Ehe hatte ich höchtens 6 Paar. Darüber hinaus: das Haus wirkt sehr verwaist und schon ein bisschen verwahrlost. Die Chancen, dass ich das Haus kindgerecht erhalte, stehen eher schlecht. Des weiteren: Streit mit der Ex-Frau. Wir waren mit der Kleinen am Sonntag gemeinsam unterwegs. Sie fuhr auf einer Bundesstraße im fünften Gang mit 100 km/h. Ich empfahl den sechsten Gang, um Sprit zu sparen. "Macht anderthalb Liter aus." Ich hätte das in der Vergangenheit schon oft genug gesagt. Sie wisse nun ja, dass sie nicht Auto fahren kann.

Ich würde gerne nach Hause gehen. Aber da ist niemand mehr.

02.03.2008

Frau Müller

Wir waren hundert Jahre in der selben Klasse. Wir sind die beiden einzigen, die nicht zu Klassentreffen eingeladen werden. Frau Müller ist mein ältester Freund. Wir haben früher viel getrunken und gesungen. Wir haben mal, ohne zu reden, acht Stunden in einem McDonalds in Glasgow gesessen. Manchmal, wenn ihn der Mut so ein bisschen verlassen hatte, habe ich mich für ihn geprügelt. Einmal habe ich mich mit einer ganzen Türkenbande angelegt. Als ich dem Türkenbandenchef das Gesicht blutig geschlagen hatte, kamen sie mit Waffen. Irgendein maskierter Türke hielt mir eine Pistole an den Kopf. Frau Müller hat sich das Geschehen aus einer Hecke, in die er eilig gesprungen war, angeguckt. Ich würde mit ihm also nicht unbedingt in den Krieg ziehen, aber ich hab' ihn trotzdem lieb und in Wahrheit ist er viel stärker als ich. She gives a smile when the pain comes.

Mr. Podcast

"Hi, einmal die 199, einen Cheeseburger und 'ne Portion Pommes. Mayo extra", sage ich in aller Regel zu ihr.
"Ah, hallo", flirtet sie dann. "Schön sie zu hören!"

Sie hat einen Schnellimbiss in der Stadt und ist steinreich. Hat ein Haus im Diplomatenviertel. Und sie hat sich in meine Stimme verknallt. "Sie haben so schöne Stimme - die schönste, die ich kenne!"

Und weil ich so eine schöne Stimme habe und außerdem mein Klaviergeklimpere aufnehmen will, habe ich das da bestellt. Obacht, sonst gibt's 'was auf die Ohren!

Mr. Wolf

Ich vergesse immer seinen Geburtstag. Gottseidank ruft er mich dann an, um sich darüber bei mir zu beschweren. Ich würde sagen, er ist Mitte vierzig. Mr. Wolf war mein Trauzeuge. Wir kennen uns aus der Bank. Einer anderen Bank. Mr. Wolf lebt und ist sehr bescheiden. Er ist riesengroß, durchtrainiert, vorsichtig und klug. Ich habe aus Versehen mal mitbekommen, wieviel Bonus er vor ein paar Jahren bekommen hat, als er noch gearbeitet hat. War ein siebenstelliger Betrag - und, nein, die Nachkommastellen zähle ich nicht mit. Einmal war er unter den besten drei Händlern einer großen, großen Bank. Als Sonderbonus bekam er drei Wochen Sonderurlaub und durfte ohne Limit verreisen. First class galore. Privat trägt er Holzfällerhemden. Einmal war er zu einer speziellen Weihnachtsfeier einer Bank eingeladen. Gegen Mitternacht kamen dreissig Edelnutten in den Saal - der Chef rief laut: "Bitte bedienen Sie sich!" und mein Freund Wolf ging nach Hause - alleine. Und weil die Welt so klein ist, kennen sich Wolf und Big G. von vor zwanzig Jahren. Und ich habe dem Vater von Wolf einen neuen Jaguar über Whippie vermittelt - mit 30 % Rabatt. Wir waren vor einer Woche essen. Ich habe ihm von der Trennung erzählt. Er hat mit mir geschimpft. Ich würde sagen, er ist ein guter Trauzeuge.

The Big Grabowski

In Wahrheit sind wir beide Einzelgänger. Ich weiss, dass er seine beiden Söhne liebt, aber warum wir Familienväter geworden sind, ist schwer zu sagen. Es hat zwei Jahre gedauert, ehe wir uns näher kamen. Whippie ist auf die Rolleridee sofort angesprungen. Bei Big Grabowski hat es gedauert. Whippie und Big G. kennen sich, gehen sich aber aus dem Weg, obwohl oder weil sie nur 500 m Luftlinie voneinander entfernt wohnen. Big G. ist kein Whippie, er ist nachdenklicher und schwerfälliger, aber er ist ein guter Mann.

01.03.2008

Whippie

Mein persönlicher Mentor ist ein 58jähriger Choleriker mit einer Borderlinesymptomatik obendrauf. Ich habe ihn vor ein paar Jahren in der Bank kennengelernt. Wir kamen aus einem Meeting mit dem Head of Operations. Ich hatte die Tür gerade eben so hinter mir zugemacht, als mich Whippie lautstark fragte: "Was ist denn das für ein blödes Arschloch?"
Es war Liebe auf den ersten Blick zwischen uns. Whippie ist ein Consultant, den man holt, wenn es richtig eng wird. Ich schätze seinen Stundensatz auf mindestens 200 Euro. Er ist verheiratet und hat drei Töchter. Und weil er mich mag und weil er denkt, dass ich reich bin, wollte er mich mit einer verkuppeln. Alle haben mit Auszeichnung in Rekordzeit studiert und sitzen jetzt in London, New York und Weissnichtwo. Ich hatte die freie Auswahl, musste aber ablehnen, weil ich für die Vielehe völlig ungeeignet bin. Dafür habe ich ihm meinerseits ein Wildschwein aus den väterlichen Wäldern verkauft, das er selber nachbehandelt hat. Irgendwann schwärmte ich vom Rollerfahren. Zwei Tage später hatte er einen C1 gekauft und in den Pausen fuhren wir um die Wette. Seine Frau kocht nicht (siehe Choleriker), was dazu führte, dass er jeden Morgen, wenn er ins Büro kam, brüllte: "Was gehen wir heute essen, rome?"
Whippie hat das Schuheausziehen und Schuhlosrumlaufen in der Bank salonfähig gemacht. Okay, wir beide sind die einzigen, die ohne Schuhe rumlaufen, aber das reicht ja auch. Whippie versteht keinen Spaß. Manchmal muss ich ihn bremsen, damit niemand verletzt wird. Wenn er ein schwieriges Problem hat, kommt er bei mir vorbei und wir gehen ein oder zwei Stunden draussen spazieren. Unserer stocklesbischen Kollegin haut er regelmaessig auf den Arsch und fragt, ob sie ihn nichtmal besuchen will. Auf meiner Hochzeit hat er die Schnappsbar eröffnet. Ich habe ihm sein erstes Discountzertifikat verkauft. Als ich ihn fragte, ob der Gedanke, drei Töchter zu haben, wohl tröstlich sei, wenn man mal abtritt, sagte er ja. Als ich ihn fragte, ob er sich auf seinen ersten Enkel freut, sagte er: "Geht mir am Arsch vorbei!"
Er hat ein Faible für Dosenöffner. Wenn wir durch die Stadt gehen und er einen Dosenöffner sieht, kauft er ihn (siehe Ehefrau). Seit letztem Jahr hat er ein dreihundertfünfzigquadratmeter Haus in Thailand. Er überwintert da. Ist noch drei Monate weg, und er hat letzte Woche einen Brunnen gebohrt. Das Wasser ist, wie er sagt, pissgelb.
Und ich fürchte, ich bin der Sohn, den er nie hatte - und er ist der Vater, den ich vermisse.