Sonntag, 5. Oktober 2008

Materialsammlung I

„My Homer is not a Communist. He may be a liar, a pig, an idiot, a Communist, but he is NOT a porn star!“

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Ich meide Altersheime. Das Geruchsgemisch von Pippi-Matratzen und altem bereits süßlich nach Verwesung riechendem Menschenfleisch ist nicht so mein Fall. Wenn ein alter Eskimo körperlich abbaut und nur noch auf den Felgen kaut, habe ich gehört, setzt man ihn auf eine Eisscholle, winkt freundlich zum Abschied und überlässt ihn der Natur. Ob das jetzt besser oder schlechter ist, keine Ahnung. Ich bin mir jedenfalls nicht sicher, ob die Leute, die ich im Altersheim besucht habe, die Nummer mit der Eisscholle nicht doch vielleicht sogar freiwillig angetreten hätten. Die meisten wussten um den Pippigeruch und den Verfall. Einer hat mir mal gesagt, dass sei das Allerletzte im Sterbeheim, man verlöre das letzte bisschen Würde, ich solle gefälligst leben und bloss nicht alt werden.

Naja. Leicht gesagt. Ich steuere ja auf eine Scheidung zu, was sich inzwischen rumgesprochen hat. So ein paar neue Weiber scharren schon mit den Hufen. Ich soll verkuppelt werden und so weiter. Soll man sich das antun - wissend dass es mangels seelischer und finanzieller Ressourcen sehr wahrscheinlich eine Low Budget Produktion mit Fehlbesetzung wird? Oder bin ich da zu antizipativ? Keine Ahnung.

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Meine Kollegin, die Lesbe, war kürzlich beim Psychodrama. Kenner werden wissen, dass ich mal mit einem Psychodramaluder zusammen war. Das war ein Drama. Jedenfalls ist dieser Kram unbestreitbar effektiv. Man bohrt sehr schnell sehr tief in den richtigen Wunden.

Kollegin: "Ich habe Rotz und Wasser geheult."
rome: "Ich war mal mit einer angehenden Psychodramaleiterin zusammen. Die hatte fünf Jahre zweimal die Woche Psychoanalyse und später dann so gut wie jedes Wochenende Psychodrama. Und die hat sich immer noch den Finger in den Hals gesteckt und sich die Seele rausgekotzt. Geh' da bitte nicht mehr hin. Einmal reicht!"
Kollegin: "Naja, aber ich habe schon 'was über meine Situation erfahren."
rome: "Wusstest du auch vorher schon. Es gibt einen neuen Ansatz. Noch viel besser und schneller. Aufstellung light!"
Kollegin: "Erzähl'!"
rome: "Geh mal für fünf Minuten davon aus, dass die Menschen, die dir wehgetan haben, das wirklich nicht gewollt haben. Mehr noch, dass sie ihr Bestes versucht haben und dass es eben einfach trotzdem in die Hose gegangen ist. Geh für weitere fünf Minuten davon aus, dass es keine Schuld gibt."

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Aus einem (ein bisschen peinlichen) Buch...

"Es gibt keine Schuld! Könnte das sein? Dann kann ich niemanden anderen für mein Schicksal verantwortlich machen. Was ist das für eine Last! Aber was ist das auch für eine Befreiung! Ich bestimme, wie ich damit umgehe, wie ich das werte (wenn ich überhaupt werte) was passiert. Ich habe oft die Wahl, mich für oder gegen etwas zu entscheiden. Vieles kommt aber unverhofft auf mich zu. Ich muss mit Krankheit oder Verlust von geliebten Menschen umgehen, weil solche Schickssalsschläge in mein Leben treten. Aber ich entscheide, ob ich mich durch sie vernichten lasse oder ob ich die Kraft nutze, die eben auch in einem Schicksalsschlag steckt. Indem ich meine Wunden und Narben anerkenne, heile ich sie. Dostojewskis Wort, 'Ohne Gott wäre alles erlaubt', meint auch: Wenn ich nicht die Verantwortung zu mir nehme, wer soll sie für mich tragen? Mich selbst kennen zu lernen, nicht nur, wie ich sein will, sondern auch, wie ich bin, aber nicht sein will, gehört zu dem Weg. Besonders und gerade in der Partnerschaft... Dieser Weg zur eigenen Verantwortung kann auch mit der totalen Ablehnung solcher Gedanken beginnen. Ob jemand auf der Seite der Ablehnenenden oder Zustimmenden steht, darauf kommt es nicht an. Wichtig ist die Kraft, die uns zwingt, uns vehement auf die eine oder andere Seite zu stellen... Es ist wichtig, einen Standpunkt zu finden und einzunehmen. Wir können grundsätzlich, auch nach reiflicher Überlegung, den Standpunkt wechseln. Wir können lernen, den anderen Standpunkt zu achten. Aber wir können immer nur einen Standpunkt einnehmen.
Die Beschäftigung mit Verantwortung, Schuld, Projektion, Ehre, Anerkennung, Konsequenz, hilft mir, mich als den Mensch zu sehen, der ich wirklich bin. Der direkteste Weg zur Lösung aus Verstrickungen ist der Weg der Liebe. Auf diesem Weg kann mir klar werden, dass ich die Kraft habe, meine Anteile zu mir zu nehmen, dass ich die Fähigkiet habe, bei mir zu bleiben und nicht am anderen 'herumzuschrauben'. Dieser Weg ermöglicht mir, im anderen einen Menschen zu sehen, der in all seiner Unfähigkeit sein Bestes tut und gibt, im anderen jemanden zu sehen, der mit sich ringt und oft genug, wie ich selbst, unterliegt. Indem ich aufhöre, etwas sein zu wollen, kann ich der Mensch werden, der ich bin."

Der, der ich bin?

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"Im Grunde genommen bräuchte ich eine Wahnsinns-Putzfrau, die mich liebt."

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"Eine weitere Gefahr bei konventionellen Psychoanalysen liegt darin, dass der Patient oft nur vorgibt, sich ändern zu wollen. Leidet er an einer unglücklichen Beziehung, so ist es nur verständlich, dass er seine Symptome loswerden möchte. Wer wollte das nicht? Aber er ist nicht willens, den Schmerz und die Qualen zu ertragen, welche untrennbar mit dem Prozess des inneren Wachstums und des Unabhängigwerdens verbunden sind. Wie löst er dieses Dilemma? In dem er der 'Grundregel' folgt und alles, was ihm in den Sinn kommt, ohne Zensur sagt, erwartet er, ohne Schmerz, ohne Anstrenung, geheilt zu werden. Er glaubt also an eine Heilung durch Reden. Aber so etwas gibt es nicht. Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, Schmerz und Angst zu durchleben, kann niemand wachsen."

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Scheiße.

9 Kommentare:

bellablog hat gesagt…

die eigentliche scheisse ist, die scheisse aushalten zu müssen.

Anonym hat gesagt…

Welches Buch zitierst du?
Es kommt mir wage bekannt vor, Teile von Camus, vielleicht etwas von Jürg Willi?

thomas@echt-pervers.de hat gesagt…

Ganz aktuell: http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/23924/

...und vergessen Sie nicht, uns täglich an der Aufarbeitung Ihrer frühkindlichen Traumata teilhaben zu lassen, wenn Sie irgendwann in einem Jahr ihre erste Sitzung haben.

Ich werde meiner Männergruppe regelmäßig berichten und auch Ihr Verleger liest geifernd mit.

t.

Roland hat gesagt…

Als ich das letzte mal im Altersheim war, brach ich unter der Last der treudoofen "Nimm-mich-mit-nach-Haus-Blicke" (die man in der Qualität sonst nur im ortlichen Tierheim zu sehen bekommt) schier zusammen. Überhaupt scheint mir der einzige Unterschied zwischen Alters- und Tierheim der Umstand zu sein, daß man die Insassen des einen legal quälen darf, während beim anderen der Tierschutz aufpasst. Oder war es umgekehrt?

Anonym hat gesagt…

OT

Kein Wort zur Finanzkrise, Herr "rounders"?

Anonym hat gesagt…

Bevor man richtig alt wirdund ins Altenheim muß, bringt man jemanden um.

Im Knast hat man was zu tun, jeden Tag eine Stunde Hofgang, außerdem regelmäßig Sex (ob man will oder nicht).

Davon kann jeder Altenheiminsasse nur träumen.

Sollte der Gefängnispsychologe irgendwann wegen Bewährung auf dumme Gedanken kommen, nimmt man ein Stuhlbein und löst auch dieses Problem.

rome hat gesagt…

@anonym1: Mathias Voelchert, hüstel, Trennung, hüstel, in Liebe.

@thomas: Tut mir leid, ich selbst bin bereits austherapiert. Mein Therapeut hiess übrigens Evil Knifel.

@anonym2: Ich war mittwochs vor der Lehman-Pleite auf einem Credit Risk Seminar. Es brodelte etwas, und es waren zwei Kollegen von Lehman da. Die haben sicher auch Häuser und Weiber abzubezahlen, denkt man da und ist mitleidig. Keiner hat sie angesprochen. Man hätte sowieso keinen Job für sie. Ich persönlich sitze halbwegs komfortabel im Sattel. Ich plane zu jammern, sobald mein Bonus niedriger ausfällt als im vergangenen Jahr. Ansonsten habe ich ein bisschen Angst, dass mich meine Eltern anpumpen, deren Vermögen derzeit etwas dahinschmilzt.

FrauLehmann hat gesagt…

Das mit der Liebe entspricht der reinen Wahrheit und nichts anderes als der Wahrheit.

Anonym hat gesagt…

Der Kroetz ist doch ein rechter Depp.