Sonntag, 21. September 2008

Jungs

Ich war auf einer Beamtenkinderschule. Es gab nicht mal einen Drogenhändler. Also stiftete ich einen meiner Freunde an: "Mach du das doch." Aber mehr als ein bisschen Gras hat er nie verkauft. Einer wurde mal mit einem Beutel Heroin verhaftet. Das konnte man beim besten Willen aber nicht mit der Schule in Verbindung bringen. Ich persönlich fand es amüsant, Pornotapes für zwanzig Mark an Apothekersöhne zu verkaufen. Die Mädchen waren eine Katastrophe. Ganz schlimme Viecher. Long Dong Werner war der einzige, der mal eine gebumst hat. Immerhin hatten wir ein paar durchgeknallte Jugos. Serben oder Kroaten, keine Ahnung. Die waren alle so ein bisschen auf dem Kriegspfad. Ein hundert Kilo einmeterfünfundneunzig Typ aus dieser Ecke schikanierte die Leute. Mich nannte er ein paar Mal eine Schwuchtel. Ich war einen Kopf kleiner und ein bisschen jünger und fünfundzwanzig Kilo leichter. Ich denke, er fühlte sich sehr sicher. Was er nicht wusste, ich war erst fünfzehn, aber ich hatte mindestens zwanzig Schlägereien hinter mir. Ich hatte eine Hantelbank im Kinderzimmer stehen, drückte hundert Kilo und machte einarmige Klimmzüge. Grund dafür war weniger meine Eitelkeit als meine Schwierigkeiten mit Türken. Aber ich wollte den Jugo nicht benachteiligen und passte ihn auf dem Weg zur U-Bahn ab. "Hey, Schwuli!" rief er, als er mich entdeckte. Mein Vater hatte mir den Tipp gegeben: wenn sie zu groß sind, hol sie dir runter. Ich schlug ihm in den Magen, in's Dreieck, um ihm danach eventuell noch den Kiefer zu brechen. Er kam runter. Ich hatte jedes Fitzelchen Luft aus ihm rausgeschlagen. Er ging auf die Knie, und ich liess seinen Kiefer heil. "Wenn du mich noch mal anmachst, mache ich ernst, Schwulibert."
Am nächsten Tag in der Schule machte ich in etwa das gleiche mit seinem besten Freund. Zwei Wochen später passten sie mich nach der Schule ab und fragten, ob ich ihr Freund sein wolle, ich könnte auch in ihrer Gang mitmachen. Ich lehnte dankend ab: "nichts gegen Schwanzlutscher, aber ich kann Jugos nicht leiden."

Naja, so war das. Rustikal, herzlich, lustig und ausgelassen. Manchmal fehlt mir die Zeit.

9 Kommentare:

amadea's world hat gesagt…

Beamtenskinderschule - Was es alles gibt. Sehr rustikal.

holgi hat gesagt…

Serbokroaten

Ingo Vogelmann hat gesagt…

Coole Sau.

westernworld hat gesagt…

… nett ausgedacht, ein bißchen zu sehr an amerikanische coming of age filmchen angelehnt vielleicht …

Man in Metropolis hat gesagt…

Körperliche Ermahnungen halte ich, in der richtigen Dosierung, ab und an, für eine wichtige interkulturelle Verständigungsbasis.

bellablog hat gesagt…

ghandi war scheisse, sag ich doch! : )

MC Winkel hat gesagt…

Haben Sie und LDW dann wenigstens Ihre eigene Gang gegründet, Herr Rome?

Miss Liss hat gesagt…

schwulibert!
sehr geil und diese fantasien hatte ich manchmal auch an meiner schule, als schwerstens domestiziertes beamtenkind aber eben leider nur in der fantasie :-)
"weicheierismus wird überbewertet!"

christoph kratistos hat gesagt…

Menschen die schlagen, sagen nicht Schwulibert.
Irgendwie hast du uns gerade nicht so viel zu sagen, oder? 5 Jahre Ehe bringen nicht so viel zum erzählen. Du willst vielleicht weinen und trotzdem cool sein, aber Alter:
Du bist ein Mitt-Dreißiger, der sich selbst gerne in einem Meer aus selbstbemitleidendem Zynismus ertrinken sehen würde. Das ist nicht cool.
Du willst wieder ein bisschen was spüren, die Leere ein bisschen füllen? Mach was kaputt. Am besten dich selbst, ein kleines bisschen. Spiel nicht Squash, noch nicht. Lass erstmal alles raus und geh saufen/ficken/abstürzen. 3 Wochen, mindestens. Zerstöre, was noch übrig ist, und fange dann auf solidem, glattem Bodem wieder an.

Und ja: Ich schreib das, weil das mehr Unterhaltung verspricht.