Sonntag, 28. September 2008

Große Jungs

Keith hatte sich den Magen mit Fisch verdorben. Hinzu kam dass man den falschen Flügel geliefert hatte. Als er den Pausenton als Motiv seiner Improvisation aufnahm und das Publikum leise lachte, war ihm nach hinschmeißen.

Die Mutter von Houellebecq, eine exaltierte Egozentrikerin elefantösester Ausmaße, fand vor Jahren eine ihrer Katzen in einem Brunnen. Tod durch Steinschlag. Houellebecq outete sich Jahre später in einem Buch.

Frau Müller, der sich eines Tages im Rollstuhl wiederfand, hatte mal ein Date. Er besuchte sie und blieb über Nacht. Sie saß nicht im Rollstuhl und er noch nicht lange genug. Beiden war die Existenz von Arschtampons unbekannt. Frau Müller wachte morgens buchstäblich in seiner Scheiße auf. Durchfall. Es hat ihn vier Stunden gekostet, die gröbsten Spuren zu beseitigen.

Ein Kollege in der Bankklitsche, in der ich vor Jahren angefangen habe, schleimte sich gegen große Widerstände zum Teamleiter auf Bewährung hoch. Man zweifelte an seinen Führungsqualitäten und seinem Intellekt. Er gab sich große Mühe und kriegte die Kurve. Das Appraisal lief gut. Drei Wochen später auf der Weihnachtsfeier trank er einen über den Durst, sprang auf den Tisch, ließ die Hosen runter und, hm, rotierte.

Udo Jürgens hatte einen seiner weißen Anzüge an. Er gab ein großes Solokonzert. Beteiligt waren demnach er, der weiße Anzug, ein weißer Flügel und ein voller Konzertsaal. Es fing ganz gut an. Irgendwann dachte er, er müsse furzen. Er tat sich keinen Zwang an. Blöd nur, dass es nicht bei einem Furz blieb. Und der weiße Anzug erwies sich an diesem Abend auch als eher unpraktisch.

Der Vater eines Freundes, ein Pfarrer der Wein nicht abgeneigt war (oh, ein weißer Schimmel), verschlief eine Beerdigung. Der Leichnam fuhr ohne Fürsprache in die Grube. Beschwichtigungen halfen nicht weiter. Am nächsten Tag fand er sich in der Bildzeitung wieder.

L. hat einen Doktor in Chemie. Darüberhinaus steht oder stand er so ziemlich an der Spitze eines multinationalen Konzerns. Er ist ein paar hundert Millionen Euro schwer (mindestens). Sexuell war er ein Spätzünder, bumste zum ersten Mal mit 38 und heiratete die Frau davor auch noch. Nach der ersten Nummer war sie schwanger. Achtzehn Monate später durfte er für die Produktion von Kind Nummer zwei noch mal aufsteigen. Das war's dann. Nicht nur, dass er die Frau nicht mehr besteigen durfte, sie lehnte es auch ab, ihm jemals auch nur einen Kaffee zu kochen. Übrigens: die nächsten, die in seinem Haus gebumst haben, waren seine fünfzehnjährige Tochter und ein Rudel Türken aus dem Fitnessstudio. Das war zu viel. Er verprügelte alle und drohte darüberhinaus den Türken den Tod an. Zehn Jahre später hatte er die Töchter unter Zuzahlung von jeweils 30 Millionen Euro Mitgift unter halbwegs respektabler Haube, schloss sich unterm Dach ein und verfiel in Schmollerei. Seine Frau gab derweil der örtlichen Presse Interviews und sang ein Loblied auf sich als Hausfrau und Mutter und schwärmte ganz allgemein vom harmonischen Familienleben.

Dann gab es noch W., Short Dong W. Er kam aus sehr bescheidenen Verhältnissen, entwickelte geschäftlich und privat eine unmenschliche Penetranz und brachte es zu einer Yacht und einem sehr exklusiven Feriendomizil mit Meerblick. Unterwegs heiratete er eine Tussi aus einem Schweizer Internat mit einer lustigen Hakennase. Glaubt man Short Dong W., ist Steffi Graf die geilste Sau überhaupt. Naja. Jedenfalls liebte er sie, seine Hakennase mit dem pseudoelitären Hintergrund. Als sich Short Dong W. beim Penetrieren als unfruchtbar erwies, bestach er eine Tante vom Amt und adoptierte zwei blonde, deutsche, nagelneue Kinder, um die Hakennase glücklich zu machen. Justamente zu dieser Zeit verliebte sich die Hakennase in einen anderen und zog aus. Es dauerte geschlagene drei Monate, bis sie erkannte, dass der andere quasi mittellos war und ihr das ganze Glück und die Vögelei ja auch keine Hermes-Taschen einbrachte. Achso. Die Kinder waren ja auch noch da. Sie kehrte zurück, fing an zu saufen und wurde hinterhältig und gemein. Short Dong W. war sich Zeit seines Lebens sicher, nicht geliebt zu werden. Und dass mit den Kindern lief auch eher schlecht. Er versteckte die Schlüssel zum Gewehrschrank, weil er befürchtete von seinem Adoptivsohn erschossen zu werden. Er verlor sich in blindem Aktionismus. Ab und zu heult er heimlich.

Aus der Reihe „Meine Männergruppe und ich – unsere schönsten Geschichten“.

12 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Erstaunlich, wie lang Ihre Exfrau es mit Ihnen ausgehalten hat.
Im Interesse Ihrer Tochter:
Reduzieren Sie den Umgang mit Ihr auf ein Minimum.

MC Winkel hat gesagt…

Hakennasen'r'us!

Anonym hat gesagt…

ey anonymer vorredner.

lies dir erst mal den blog komplet durch du depp.

stefan hat gesagt…

Also bei Licht betrachtet, es gibt härtere Schicksale als meins....

croco hat gesagt…

Mannomann.....

Miss Liss hat gesagt…

ich kann nicht mehr!
das sind einfach sehr, sehr tolle und ans herz gehende männergeschichten.
ihr tut mir alle sooo leid!!!

Frau Rossi hat gesagt…

Ich warte noch immer auf den entscheidenden Moment, die ausschlaggebende Geschichte, nach der ich den link zu diesem Blog endlich aus meinen bookmarks löschen kann. Noch ist es mir nicht möglich. Noch finde ich diesen Cocktail aus sentimentaler Larmoyanz, verletzter Eitelkeit und Erzähltalent ganz putzig. So wie ich in der Arztpraxis nicht zur "Geo" greife, sondern lieber zur "Gala", um mich zu unterhalten, treibt es mich immer wieder hier hin, mit dem Gedanken "mal kucken, was der Verlassene so treibt".

thomas@echt-pervers.de hat gesagt…

Herr Rounders,

da drängt sich mir als mitfühlendem Männergruppenteilnehmer die Frage nach IHRER Scheiss-Geschichte auf.

Tragen Sie weisse Anzüge?
Improvisieren Sie dreimal die Woche zur Telefonjokermelodie von WerWirdMillionär?
Hat Ihnen das Jugendamt auf den Tisch geschissen?

Und was passiert, wenn Ihre Ex, die hysterische Tucke, das alles hier liest und dem Jugendamt vorlegt?

Fragen über Fragen. Jarret und Jürgens sind über 60 und 70 und Frau Müller hat auch abgehalftert.
Ich empfehle eine Männergruppe, die zu Ihnen passt. Sonst werden Sie, und ich warne, das ist eklig, sich bald mit den männlichen Lesern Ihrer Ergüsse beim Alkohol zu verbrüdern, um anschließend Ihre 17jährigen latent übergewichtigen Blog-Groupies flachzulegen.

Wenn Sie das wirklich wollen, denken Sie daran, dass die Gören Ihnen vor dem Blasen einen Gummihut überziehen werden.

Mich schauderts.

t.

Settembrini hat gesagt…

Thomas,

er bloggt.

bellablog hat gesagt…

ich weiß nicht, was viele hier haben. ich les den muschiblog echt gern. rome sagt doch nur, wie es ist.

person hat gesagt…

hörma, udo jürgens ist in diesem falle eigentlich helmut berger.

Alise hat gesagt…

Rome rules