13.05.2008

Heulsuse

Prolog: Tempus fugit. Oder: Regen im Mai, April vorbei.

Die Kleine wird nächsten Monat drei Jahre alt. Sie bekommt ein Fahrrad zum Geburtstag. Kürzlich hatte sie einen Pseudo-Krupp-Husten. Sie musste ein Medikament nehmen, weigerte sich aber standhaft. Die Alternative war eine Infusion im Krankenhaus. Sie ist sehr klug und sehr hübsch und sehr dickköpfig. Wenn sie einmal nein sagt, dann wird es kompliziert. Als pädagogischer Großmeister wollte ich sie bestechen: "Baby, wenn du dieses blöde Zeug nimmst, bekommst du ein Pony!" Keine Chance. Sie ist nicht bestechlich. Sie wurde von meiner Frau dann drei Tage lang jeden Morgen in die Kinderarztpraxis gefahren, wo sie drei Arzthelferinnen festhalten mussten. Laut meiner Frau schrie sie dann die Ärztin an: "Nimm deine Meduzin doch selber!" Manchmal hält sie sich für Pippi Langstrumpf.

Whippie ist wieder da. In Thailand würde man verblöden.

Wolfman ruft mich jeden zweiten Tag an, weil er sich Sorgen um mich macht.

Beruflich ist das mein schlimmstes Jahr. Ich arbeite derzeit 70 Stunden die Woche, habe aber kein Land in Sicht. Arbeit in diesem Umfang macht mich müde und taub und antriebslos. Arbeit ist eine merkwürdige Veranstaltung. Im übrigen liegt die Nachfrage wegen Indien und Singapur auf dem Tisch: 4. Quartal für mindestens einen Monat.

Nächsten Monat stehen Mitarbeiteraktien zur Zeichnung bereit. Ich werde aus Gründen der Altersvorsorge und auch wegen der finanziellen Verantwortung dem Kind gegenüber bis zum Anschlag zeichnen. 25 % des Bruttogehalts sind erlaubt. Soll heissen: unterm Strich bin ich völlig illiquide, permanent unzufrieden und fühle mich wie ein Idiot.

Epilog: "Spare in der Not, dann hast du Zeit." (Spruch von meinem Vater)