23.02.2008

Rounders, Whitney Houston und Sven Väth

Ich war meiner Zeit immer etwa vier oder fünf Jahre voraus.

ad 1, Rounders habe ich '99 gesehen, als man Poker noch mit Teppich- und Autohändlern spielte.
ad 2, 1985 eröffnete Saturn Hansa einen Riesenplattenladen auf der oberen Bergerstraße. Ich war zwölf oder dreizehn, hatte zuviel Taschengeld und bestellte haufenweise Platten aus den USA. Peinlich aber wahr: ich war der erste, der in Frankfurt einen Whitney Houston Tonträger aus den USA importieren liess.
ad 3, 1988, mit 16, in meiner depressiven Nietzsche-, Russisches-Roulette, Autoklau- und Sackophase, hatte ich noch mehr Taschengeld. Ich glaube, es waren 800 Mark. Weil das natürlich nicht für meine diversen Rituale reichte - eine Nacht in einer Junior Suite im Frankfurter Hof kostete ja schon über 400 Mark - beklaute ich noch regelmäßig meinen Vater. Eines meiner Lieblingsrituale zu dieser Zeit: jeden Mittwoch, so gegen ein Uhr nachts, sobald meine Eltern eingeschlafen waren, zog ich mich an, klaute zwei-, drei oder vierhundert Mark aus der stets mit fünf bis achttausend Mark gefüllten Brieftasche meines Vaters, stieg auf meine 80er und fuhr mit flatterndem Kenzosacko ins Vogue. Hiess damals vielleicht auch schon Omen. Keine Ahnung. Die hatten da so eine halbe Armee von Türstehern, angeführt von einem dicken Türken. Ich parkte mein Moped zwei Metern von den Jungs entfernt, direkt vorm Eingang. "Schön auf's Moped aufpassen, ja!" sagte ich dem dicken Türken, der nicht wusste, wie ihm geschah und wer der blöde Idiot vor ihm ist. Ich hatte einen Stammplatz an der Bar ganz links. Sven Väth war quer über die Tanzfläche zu der Zeit noch ganz gut zu sehen und tüftelte an seinem Technokram. Ich fürchte, der ganze Laden war auf Speed oder Koks, ich sah nie jemanden ein zweites Getränk bestellen. Bis auf mich. Ich war der einzige in dem Schuppen, der ernsthaft soff. "Gottseidank, dass du da bist - mir war so langweilig!" rief die kahlköpfige Barfrau, wann immer sie mich erspähte. Sie mochte mich. Alle Welt hielt mich für einen Kokser. De facto wollte ich mich mittwochs zu Väths Technogeschrubbel aber immer nur vollsaufen. Ich weiss, dass die Kombination Techno und Alkohol für andere nie so richtig gezündet hat, aber wenn man die kahlköpfige Barfrau fragen würde: sie würde bestätigen, dass ich zumindest ihren Job mit meiner Sauferei gerettet habe. Wenn nicht sogar den ganzen Technokram.

ps_
Von wegen schlechtes Gewissen wegen Geldklauerei. Ich hatte einen Bekannten, der zu der Zeit und etwa im gleichen Alter den neuen 911er seiner Mutter samt Fahrzeugbrief klaute, nach München fuhr, den Wagen für 60.000 Mark ein bisschen unter Wert verkaufte und zwei Tage später zu Hause anrief, um mitzuteilen, dass ihm das Geld beim Feiern ausgegangen sei. Ich mochte die Geschichte. Ich hatte nie große Problemen mit schwierigen Türen und wenn man an der Himmelpforte Anstalten gemacht hätte - mit Verweis auf meine diversen Bekannten hätte ich Petrus locker der Pedanterie überführen können, dachte ich.